Andrei Krioukov ist ein russisch-deutscher Maler und Grafiker, der die Grenze zwischen Kunst und Alltag bewusst offenhält. Seine Arbeiten kreisen um einen von ihm geprägten Begriff: „Einwegrealismus“ – eine Bildsprache, die Konsumobjekte unserer Gegenwart (Flaschen, Dosen, Verpackungen) mit nahezu fotografischer Präzision darstellt und sie zugleich als Spiegel für unsere Routinen und unser Konsumverhalten begreifbar macht.
Krioukovs Stillleben wirken im ersten Moment vertraut – gerade dadurch entfalten sie ihre Tiefe: Was wie ein alltägliches Objekt erscheint, wird bei näherem Hinsehen zur Aufforderung zur Selbstreflexion. Das ist kein moralischer Zeigefinger, sondern eine entschleunigte Form der Beobachtung. Seine Motive sind bewusst ikonisch gewählt – etwa Cola-Dosen oder ähnliche Produkte – und werden malerisch so präzise ausgearbeitet, dass eine spürbare Spannung zwischen Verführung (Design, Farbe, Oberfläche) und Inhalt (Schnelllebigkeit, Wegwerflogik) entsteht.
Neben Ölgemälden und Acrylarbeiten ist besonders seine druckgrafische Praxis bemerkenswert. Krioukov nutzt die Cola-Dose selbst als Druckplatte: Er trägt ein ölbasiertes Gemisch direkt auf die Dose auf und druckt die Farbe anschließend mit einer Walzenpresse auf angefeuchtetes Büttenpapier. Jede Radierung wird dadurch zum Unikat – nicht trotz, sondern wegen des seriellen Alltagsobjekts als Druckstock.
Biografisch verbindet Krioukov klassische akademische Ausbildung mit langjähriger Praxis in Gestaltung und Lehre. Er wurde 1959 in Moskau geboren, studierte Malerei und Grafik an renommierten Moskauer Einrichtungen und war zunächst freischaffend in Moskau tätig. 2000 siedelte er nach Deutschland über; seit 2003 ist er mit der Schule für Bildende Kunst und Gestaltung aktiv und lehrt bzw. leitet diese in Deutschland (u. a. in Kassel und später in Berlin).
Seine Kunstwerke befinden sich laut Künstlerseite in privaten und öffentlichen Sammlungen in mehreren Ländern; besonders hervorgehoben wird die Aufnahme in die Sammlung der Russischen Kunstakademie in Moskau. Ausstellungsteilnahmen umfassen u. a. art Karlsruhe sowie Museumsausstellungen (z. B. Museum Villa Rot). Aktuell ist zudem eine Sonderausstellung „Einwegrealismus“ im Stadtmuseum/Handwerksmuseum Deggendorf für 2026 angekündigt.